SAUL
„Saul“ – „(von Gott) erbeten“, oder „(Gott zum Dienst) geliehen“.
Ein Sohn des reichen Benjaminiters Kis, der in „Gibea Sauls“ (1. Sam 11:4;13:2) wohnte, ca. 5 km nördlich von Jerusalem. Saul war „schöner als die übrigen Israeliten und einen Kopf größer als das ganze Volk“ (1. Sam 9:1 f.). Saul hatte das Königtum nicht erstrebt. Gott selbst führte ihn zu Samuel, den Propheten, damit dieser ihn zum König über Israel salbe (1. Sam 9) ca. um 1050 v. Chr. Er regierte 40 Jahre lang (Apg 13:21).
Nach eigenmächtig dargebrachtem Opfer ließ Gott ihm verkündigen, dass sein Königtum nicht bleiben wird. Saul ließ sich jedoch nicht warnen und wiederholte die Sünde der Eigenwilligkeit und des Ungehorsams und wurde verworfen (1. Samuel 15:23)
Ein guter Start …
Gott lässt den einfachen Bauernsohn Saul zum König des Landes salben, verbunden mit klaren Worten des Propheten: „So höre nun auf die Worte des Herrn!“ (1. Samuel 15:1). Der klare Auftrag Gottes, die Amalekiter zu vernichten, ist für uns heute aufgrund unseres humanistischen Denkens unverständlich. Als Anwendung für uns heute könnte dies bedeuten, dass wir so entschlossen und radikal mit der Sünde in unserm Leben handeln! Hier gilt es, keine Kompromisse zu machen!
… endet desaströs
Saul hatte einen konsequenten Auftrag, den er inkonsequent ausführte (1. Samuel 15:3 + 1. Samuel 15:8f.). Darum hat Gott ihn verworfen (1. Samuel 15:23). Nun schickt Gott seinen Propheten zu Saul, um ihm das Gerichtswort Gottes zu bringen. Äußerlich betrachtet hatte Saul einen großen Sieg errungen und in Karmel ein „Siegeszeichen“ aufgerichtet (1. Samuel 15:12), doch geistlich gesehen erlitt der König durch seinen Ungehorsam die größte Niederlage seines Lebens. Auch der größte „äußere“ Erfolg kann im Blick auf Gott „fruchtlos“ bleiben.
Es geht nicht um frommes Gehabe
Saul begrüßt den Propheten mit einem „Segensgruß“
(1. Samuel 15:13). War es nur ein Selbstrechtfertigungsversuch vor Samuel? Doch der Prophet lässt sich von der vermeintlichen Frömmigkeit des Königs nicht blenden (1. Samuel 15:14 f.). Er spricht dessen Ungehorsam dem Wort Gottes gegenüber ohne Umschweife, unverblümt und ganz direkt an.
Nun beginnt Saul, von dem wir in 1. Samuel 15:7-9 lesen, dass er Agag lebendig gefangen nahm, sich zu entschuldigen und sich hinter der Masse des Volkes zu verstecken (1. Samuel 15:15).
Wie oft schiebt der Mensch die Schuld auf andere und versteckt sich hinter der Masse nach dem Motto: „Das tut doch jeder“. Es ist das Grundproblem des Menschen seit dem ersten Menschenpaar Adam und Eva (vgl. 1. Mo 3:12 f.).
Dann kommt noch eine fromme Ausrede hinzu (1. Samuel 15:15 b). Ob Saul das von Anfang an wirklich im Sinn hatte, sie allein Gott zu opfern, sei dahingestellt. Selbst wenn dem so wäre, so sehen wir, dass es Gott nicht um Opfer, Verzicht und irgendwelche guten Taten geht, sondern bei ihm steht immer der Gehorsam ihm und seinem Wort gegenüber an erster Stelle (1. Samuel 15:22).
Es geht um Gottes Wort als Maßstab
Samuel reagiert darauf, indem er Saul nicht sagt, wie er darüber denkt und was seine Meinung dazu ist. Er diskutiert nicht, ob es richtig oder falsch war, so zu handeln. Es geht auch heute nicht darum, dass wir unsere Meinung und eventuelle Mehrheitsbeschlüsse zu unserem Maßstab machen. Es geht darum, dass wir wieder ganz neu lernen zu fragen:
„Herr, was sagt dein Wort und was willst du von mir persönlich und von uns als Gemeinde?“
Zudem sind wir heute wieder ganz neu herausgefordert, wie Samuel damals, „Gottes Wort“ zu verkündigen und weiter zu sagen, ob es in unsere gesellschaftliche Denk- weise passt oder nicht. Wir sind von Gott beauftragt, SEIN Wort den Menschen unserer Zeit zu sagen, und wir machen uns schuldig, wenn wir ihnen Gottes Wort schuldig bleiben.
Es geht um die Wahrheit in Liebe
Wer nicht wie Samuel in inniger Fürbitte vor Gott steht (1. Samuel 15:11 b) und unter der Schuld des anderen leidet, der kann sie auch nicht in rechter Weise ansprechen (vgl. 2. Mo 32:11 f.). Es kann uns als Boten unseres Herrn nie darum gehen, dass Menschen „ihre gerechte Strafe“ erhalten, sondern dass der Mensch sich zurechtbringen lässt und dass Gott sich seiner erbarmt, wie er sich auch über mich selbst erbarmt hat.
Es geht um ein Ganzes
Noch einmal stellt Samuel hier die Frage nach dem Gehorsam (1. Samuel 15:19) und noch einmal versucht Saul auszu- weichen und sein Tun zu rechtfertigen (1. Samuel 15:20 f.). Er hatte ja Gottes Gebot „zum größten Teil“ erfüllt. Doch das „Beste“ hatte er zurückbehalten und für sich genommen. Wird Saul nicht gerade auch darin zum Beispiel für unser Handeln?
Vieles geben auch wir für Gott und stellen es in seinen Dienst. Doch behalten wir nicht oft das „Beste“ für uns zurück? Haben wir wirklich alles in unserem Leben an Gott ausgeliefert und ihm hingegeben? Nicht dass wir für Gott arbeiten ist ihm, entscheidend, sondern dass wir seinem Wort rückhaltlos vertrauen. Und dieses Vertrauen zeigt sich im konsequenten Gehorsam (1. Samuel 15:22).
Herkunft: Christoph Meyer, Gemeinschaftspleger, Freudenstadt

