Wir müssen alle vor dem Richterstuhl erscheinen
„Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder empfange, was er in dem Leib getan hat, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses.“ (2. Korinther 5,:0)
Was erwartet dich am Richterstuhl des Christus? Jeder Mensch muss einmal vor dem Richterstuhl des Christus Rechenschaft über sein Leben ablegen. Ein spannendes Thema. Denn es betrifft jeden von uns ganz persönlich. Das, was du in dieser Botschaft liest, wird für dich vielleicht schon sehr bald Realität werden!
Am Richterstuhl wird alles, was wir gedacht, gesagt und getan haben, offenbar. Alles kommt ans Licht. Wir werden unser ganzes Leben mit den Augen Gottes sehen. Und wir können sicher sein, dass dort einige Überraschungen auf uns warten! Denn wir beurteilen heute manches vielleicht ganz anders als Gott es tut!
Auch die vielen ungelösten Warum-Fragen unseres Lebens werden dort geklärt. Wir werden verstehen, warum Gott uns diesen und nicht einen anderen Weg geführt hat. Und auch, warum Er Prüfungen, Enttäuschungen oder Leid in unserem Leben zugelassen hat.
Warum teilt Gott uns jetzt schon mit, dass wir einmal vor dem Richterstuhl erscheinen werden? Damit diese Wahrheit heute Auswirkungen auf unser Verhalten hat. Wir sollen im Licht des Richterstuhls leben!
Martin Luther hat mal sehr prägnant gesagt: „Es gibt nur zwei Tage in meinem Tagebuch: Heute [also dieser Tag] und jener Tag.“ – Und damit meinte er den Tag, an dem er vor dem Richterstuhl erscheinen sollte! Er wusste, dass das, was er heute tut, Konsequenzen für diesen einzigartigen Tag haben wird.
Und das gilt für jeden von uns! Das, was wir heute denken, sagen und tun, werden wir dann im Licht Gottes sehen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns mit diesem Thema mal etwas intensiver beschäftigen und in Ruhe darüber nachdenken! Denn das kann einen ganz entscheidenden Einfluss auf unser Leben haben!
Zweimal wird der Richterstuhl explizit erwähnt. In Römer 14:10 wird er der Richterstuhl Gottes genannt. Denn es geht um Gottes finales Urteil über unser Leben. Er ist die letzte und höchste Instanz, die es gibt.
Und in 2. Korinther 5:10 wird er der Richterstuhl des Christus genannt. Denn es ist der Mensch, Jesus Christus, der auf den Thron sitzt und vor dem wir uns zu verantworten haben. Der Vater hat Ihm das ganze Gericht übergeben, weil Christus hier als Mensch gelebt hat.
Er hat gezeigt, wie ein Mensch in allen Lebensumständen in wahrer Gottesfurcht zur Verherrlichung Gottes leben kann. Deshalb hat Er die moralische Autorität, das Leben der Menschen zu beurteilen. Er ist der von Gott verordnete Richter der Lebendigen und der Toten (s. Apg 10:42). Und vor Ihm werden wir alle eines Tages stehen!
Die drei Gerichte
„Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren.“ (Johannes 5:22.23a)
Im ersten Teil dieser Artikelserie haben wir gesehen, dass wir alle vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen müssen. Bevor wir uns das anschauen, was dort auf uns wartet, muss ich kurz etwas Wichtiges erklären. Wir müssen drei Gerichte unterscheiden, bei denen Jesus Christus auf dem Thron sitzt – sonst kommen wir zu falschen Ideen und Schlussfolgerungen!
Das erste Gericht findet im Himmel statt. Das zweite findet auf der Erde statt. Und das dritte am Ende der Zeit.
Zuerst werden die Gläubigen nach der Entrückung im Himmel vor dem Richterstuhl des Christus erscheinen. Dabei geht es nicht um eine Verurteilung, sondern um ein Offenbar-Werden. Wir erscheinen dort nicht als Angeklagte, sondern als solche, die von einem Preisrichter beurteilt werden. Und das ist natürlich ein riesen Unterschied. Darauf beziehen sich die Stellen aus Römer 14:10-12 und 2. Korinther 5:10
Nach der Entrückung beginnt auf der Erde die Drangsalszeit. Und am Ende dieser 7 Jahre findet hier das Gericht der Lebendigen statt; und zwar dann, wenn Christus wiederkommt in Macht und großer Herrlichkeit, um hier Sein Friedensreich aufzurichten. Davon lesen wir in Matthäus 25:31-46 Die Ungläubigen werden verurteilt und die Gläubigen, die dann leben, gehen ins 1000-jährige Reich ein.
Und dann gibt es noch das Gericht am großen weißen Thron nach dem 1000-jährigen Reich – am Ende der Zeit. Das Gericht über die Toten. Alle Ungläubigen, die jemals gelebt haben, werden auferweckt und erscheinen dort, um ihr endgültiges Gerichtsurteil zu empfangen. Anschließend werden sie in den Feuersee geworfen, wo der Teufel und seine Engel sind.
Wir müssen also zeitlich zwischen diesen Gerichtssitzungen unterscheiden:
Nach der Entrückung im Himmel für die Gläubigen, nach der Drangsalszeit hier auf der Erde für die dann lebenden Gläubigen und Ungläubigen; und nach dem 1000-jährigen Reich am großen weißen Thron – für die ungläubigen Toten, die auferweckt werden.
Müssen wir Angst vor dem Richterstuhl haben?
„Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt“ (1. Johannes 4:17)
Es ist eine wichtige Frage, ob wir Angst davor haben müssen, vor dem Richterstuhl zu erscheinen. Und die Antwort ist ganz klar: Nein! Warum nicht?
Erstens, weil wir dort mit einem wunderbaren Auferstehungskörper stehen werden, in dem es keine Sünde mehr gibt.
Zweitens, weil wir dort als geliebte Kinder Gottes erscheinen; als Menschen, die in Christus Jesus sind – einsgemacht mit Ihm und eingehüllt in Seine Gerechtigkeit.
Drittens, weil der Richter selbst unser Retter ist, der unser Gericht am Kreuz getragen hat! Deshalb schreibt Johannes auch: „Hierin ist die Liebe mit uns vollendet worden, damit wir Freimütigkeit haben an dem Tag des Gerichts, dass, wie er ist, auch wir sind in dieser Welt“ (1. Joh 4:17). Wir können mutig dem Tag des Gerichts entgegen gehen. Denn es gibt keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind (s. Röm 8:1)!
Und viertens geht es bei unserem Offenbar-werden vor dem Richterstuhl gar nicht um die Frage einer Verurteilung. Für Kinder Gottes geht es um ein Preisgericht, dass dort auf uns wartet. Dort wird beurteilt, wofür der Herr uns Lohn geben wird – und wofür nicht! Was Gottes Anerkennung findet; und was im Feuer verbrennt!
Trotzdem ist es auch ein ernster Gedanke, dass unser ganzes Leben im Licht Gottes erscheint und beurteilt wird. Gottes Bewertungsgrundlage für dieses Preisgericht ist das, was wir wussten und das, was Er uns anvertraut hat.
Dem einen fünf Talente, dem anderen zwei dem anderen eins. Dem einen diese Aufgaben, dem anderen jene. Dem einen viel Kenntnis über Gottes Wort und dem anderen weniger (s. Lk 12:47.48). Je mehr wir empfangen haben, umso größer ist auch unsere Verantwortung!
Aber was bedeutet es konkret, wenn Paulus schreibt: „Denn wir müssen alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden …“ (2. Kor 5:10)? Vielleicht kann man es mit den folgenden Worten des Herrn zusammenfassen: „Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, noch geheim, was nicht erkannt werden und ans Licht kommen wird“ (Lk 8:17).
Am Richterstuhl wird unser ganzes Leben im Licht Gottes sichtbar. Dort läuft sozusagen der Film unseres Lebens ab – während wir, jeder ganz persönlich, allein vor dem Herrn stehen. Wir werden unser Leben so sehen, wie Gott es sieht. Nichts wird beschönigt und nichts wird überzeichnet.
Warum ist es wichtig, dass das geschieht? Damit wir in der Ewigkeit genauso über unser Leben denken, wie Gott es tut. Um perfekte Gemeinschaft mit Gott haben zu können, müssen unsere Gedanken in Übereinstimmung mit Seinen Gedanken gebracht werden. Und genau das geschieht am Richterstuhl.
Wie Paulus mal sagt: „Dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin“ (1. Kor 13:12). Das bedeutet unter anderem, dass wir dann auch die Sünde so beurteilen werden, wie Gott es tut. Was wir vielleicht vorher als kleine Sünde gesehen haben, wird eventuell plötzlich wie ein Berg vor uns stehen.
Aber nicht nur das. Wir erkennen auch die Gnade Gottes, die weit über die Spitze dieser vielen Berge hinausgeht und alles durch das Blut Jesu bedeckt. Wie es in Römer 5 heißt: „Wo aber die Sünde überströmend geworden ist, ist die Gnade noch überreichlicher geworden“ (Röm 5:20).
Der tiefe Eindruck unseres sündigen Lebens vor der Bekehrung macht die Gnade Gottes umso größer. Das wird uns dazu führen, Gott zu bewundern und Ihn anzubeten! Aber auch die Sünden, die wir nach unserer Bekehrung – vielleicht sogar ohne dass wir es merkten – getan haben, werden sichtbar. Sie werden uns nicht verdammen, denn Christus wurde bereits dafür gerichtet; aber sie werden uns einen tiefen Eindruck von dem Umfang und dem Ausmaß der Gnade Gottes geben.
Das Bewusstsein der großen Schuld, die uns vergeben wurde, wird uns sehr dankbar machen. Und wir werden den Herrn dafür noch mehr lieben! Denn wem viel vergeben ist, der liebt viel (s. Lk 7:47). Außerdem werden wir erkennen, wie oft der Herr uns davor bewahrt hat, zu sündigen – als wir vielleicht kurz davor standen. Oder wie Er uns durch Seine Güte zur Buße geleitet hat, als wir es doch getan haben. Alles kommt ans Licht!
Unsere Motive und Taten werden von Gott registriert
„Und kein Geschöpf ist vor ihm unsichtbar, sondern alles ist bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, mit dem wir es zu tun haben.“ (Hebräer 4:13)
Ein weiterer ganz wichtiger Punkt im Blick auf den Richterstuhl Gottes ist: Dort werden „die Überlegungen der Herzen offenbar werden“ (1. Kor 4:5).
Alle Beweggründe, die uns zu einem Dienst für den Herrn geleitet haben, werden aufgedeckt. Es wird sichtbar, ob es Selbstsucht, Eigenliebe, Hochmut oder Geltungsbedürfnis war oder ob wahre Hingabe an den Herrn und Liebe zu den Menschen uns angetrieben hat.
Paulus sagt in diesem Zusammenhang: „Denn ich bin mir selbst nichts bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr“ (1. Kor 4:4). Mit anderen Worten: Ich bin mir zwar nicht bewusst, dass ich eine falsche Herzenshaltung habe, aber das bedeutet noch nicht, dass sie richtig ist. Das beurteilt der Herr.
Es geht also nicht nur um das „Was“, sondern besonders auch um das „Wie“! Das heißt, mit welcher Gesinnung und Motivation wir etwas getan haben. Das ist eine Herzenssache! Deshalb können wir auch wie David beten: „Von verborgenen Sünden reinige mich!“ (Ps 19:13) oder „Lass die Reden meines Mundes und das Sinnen meines Herzens wohlgefällig vor dir sein“ (Ps 19:15).
Außerdem wird der Herr das beurteilen, was wir während unseres Lebens gesagt haben. Es hat mal jemand ausgerechnet, dass ein Erwachsener Mann im Durchschnitt ca. 25.000 Worte am Tag redet. Und wie Jakobus deutlich macht, sollen wir aufpassen, wie wir unsere Zunge benutzen. Denn Salomo sagt: „Bei der Menge der Worte fehlt Übertretung nicht“ (Spr 10:19).
Wie schnell passiert es, dass wir schlecht über andere reden oder dass wir Dinge vielleicht etwas verdreht wiedergeben, um selbst in einem besseren Licht zu erscheinen (in dem, was wir sagen oder schreiben). Jesus Christus hat gesagt: „Von jedem unnützen Wort, das die Menschen reden werden, werden sie Rechenschaft geben am Tag des Gerichts“ (Mt 12:36).
Wir brauchen Gottes Hilfe, damit wir mit unseren Worten nicht sündigen, sondern das sagen, was für andere nützlich und zum Segen ist. Darum können wir den Herrn jeden Tag bitten. David hat das getan und gesagt: „Setze, HERR, meinem Mund eine Wache, behüte die Tür meiner Lippen!“ (Ps 141:3).
Auch unsere Taten oder Werke werden am Richterstuhl beurteilt. Beispielsweise wie wir am Haus Gottes gebaut haben. Nicht alles, was für Ihn getan wird, entspricht auch wirklich Seinem Willen. Das macht Paulus in
1. Korinther 3:12-15 sehr deutlich. Da zeigt er, dass man mit gutem oder schlechtem Material am Haus Gottes bauen kann.
Wenn man z.B. ein Wohlstandsevangelium predigt, um auf diese Weise Menschen für Christus zu gewinnen, dann ist das ganz sicher gegen den Willen Gottes. Genauso wie wenn jemand Gesetzlichkeit predigt oder versucht, Menschen dadurch zu manipulieren. Das wird alles im Feuer verbrennen.
Also wir dürfen nicht nach dem Motto dienen: Der Zweck heiligt die Mittel. Hauptsache das Ergebnis stimmt. Nein. Gott sagt uns in Seinem Wort: „Wenn aber auch jemand kämpft, so wird er nicht gekrönt, es sei denn, er habe gesetzmäßig gekämpft“ (2. Tim 2:5).
Der Dienst soll in der Art und Weise geschehen, dass die Gesinnung Jesu darin gesehen wird und dass man in Übereinstimmung mit Gottes Wort handelt! „Denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern göttlich“ (2. Kor 10:4).
Nicht wir, sondern Gott ist der Richter!
„So urteilt nicht etwas vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Überlegungen der Herzen offenbaren wird.“ (1. Korinther 4:5)
Ein wichtiger Punkt, den Paulus in Verbindung mit dem Richterstuhl erwähnt, ist: Dass wir einander nicht mit einem richterlichen Geist verurteilen oder falsche Motive unterstellen sollen. Wie oft urteilen oder richten wir nach einem äußeren Schein, obwohl wir die Person eigentlich gar nicht richtig kennen bzw. in ihr Herz sehen können!
Dazu eine Anekdote, die ich mal gehört habe: Ein Prediger war mal mit einem Schiff von den USA nach Europa unterwegs. Auf der Reise musste er die Kabine mit einem fremden Mann teilen, der von seiner äußeren Erscheinung keinen guten Eindruck auf ihn machte. Deshalb ging er zum Kapitän des Schiffes und bat ihn, ob der seine Wertsachen für ihn aufbewahren könnte.
Die Antwort des Kapitäns war: „Kein Problem. Ihr Zimmerkollege war auch schon hier – mit genau dem gleichen Anliegen.“ Das zeigt, wie oft man dem anderen misstraut, nur weil man ihn nach einem äußeren Schein beurteilt.
Aber eben weil wir nicht in das Herz unseres Nächsten schauen können, sollen wir ihm auch keine schlechten Motive unterstellen. Das gilt auch dann, wenn er vielleicht andere Entscheidungen trifft, als wir sie treffen würden. Wodurch er aber nicht sündigt.
Denk nur mal an Essgewohnheiten, Kleidung oder die Wertschätzung besonderer Feiertage, etc. Da steht jeder persönlich mit seinem Gewissen vor dem Herrn. Das macht Paulus in Römer 14 sehr deutlich!
Und in diesem Zusammenhang schreibt er: „Du aber, was richtest du deinen Bruder? Oder auch du, was verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden … So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Lasst uns nun nicht mehr einander richten, sondern richtet vielmehr dieses: dem Bruder nicht einen Anstoß oder ein Ärgernis zu geben“ (Röm 14:10.12.13).
Das sollte unsere Einstellung sein! Und deshalb auch die Aufforderung: „So urteilt nicht irgendetwas vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Überlegungen der Herzen offenbaren wird; und dann wird einem jeden sein Lob werden von Gott“ (1. Kor 4:5).
Am Richterstuhl des Christus gibt es Lohn!
„Ihr aber, seid stark und lasst eure Hände nicht erschlaffen, denn es gibt Lohn für euer Tun!“ (2. Chronik 15:7)
Am Richterstuhl des Christus werden wir Lohn bekommen. Das sollte uns ermutigen, jetzt in dem, was Gott uns anvertraut hat und in den Aufgaben, die Er uns gibt, treu zu sein.
Und wir können sicher sein, dass es dort einige Überraschungen geben wird. Diejenigen, die viel im Hintergrund in Treue gedient haben – ungesehen von den Menschen – die werden vielleicht mehr Lohn empfangen als die, die in der Öffentlichkeit standen.
„Viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein“ (Mt 19,30). Diesen Vers können wir sehr gut darauf anwenden. Vieles, was wir vielleicht positiv beurteilt haben, werden wir plötzlich ganz anders sehen. Vielleicht werden wir feststellen, dass wir da, wo wir dachten, wir würden Lohn bekommen, leer ausgehen.
Warum? Weil wir es nicht aus Liebe zu Gott und den Glaubensgeschwistern getan haben, sondern nur, um vor den Menschen Anerkennung zu bekommen und gut dazustehen. Die Pharisäer gaben Almosen, beteten und fasteten. Aber weil sie es taten, um von den Menschen gesehen zu werden, sagt der Herr, dass sie ihren Lohn bereits dahin haben.
In 1. Korinther 13 wird außerdem gesagt, dass wir sogar als Märtyrer sterben können und uns das nichts nützt – wenn es nicht aus Liebe geschieht. Ohne Liebe bleibt es fruchtlos – dann gibt es keinen Lohn!
Andererseits werden wir erstaunt sein, wie viel Lohn wir vielleicht für Dinge bekommen, die in unseren Augen Kleinigkeiten waren. Jemandem ein Glas Wasser anzubieten, ein ermutigendes Wort zu sagen, spontan mitanzupacken, wenn grade Hilfe benötigt wird. Die tägliche Erziehung der Kinder. Die Gesinnung Jesu im Alltag zeigen, etc. Gott wird nichts davon vergessen!
Der Richterstuhl – Motivation zum Zeugnis
„Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir die Menschen … Lasst euch versöhnen mit Gott!“
(2. Korinther 5:11.20)
Welche Auswirkungen sollte die Wahrheit, dass wir alle einmal vor dem Richterstuhl Gottes offenbar werden müssen, auf unser heutiges Leben haben?
Dazu drei Punkte, die wir uns merken sollten und die unser Leben verändern können:
Erstens sollten wir den Wunsch haben, so zu leben, wie es Gott gefällt (s. 2. Kor 5:9). Das gilt für unsere Gesinnung, unsere Motivation, unsere Gedanken, unsere Worte und unsere Taten. Deshalb sollen wir immer wieder prüfen, was Gott gefällt und was Er möchte. Wir können wie David beten: „Lehre mich dein Wohlgefallen tun!“ (Ps 143:10).
Zweitens sollte die Tatsache, dass für die Ungläubigen der Richterstuhl das unveränderliche Verdammungsurteil Gottes bedeutet, uns dahin führen, sie vor dem schrecklichen Gericht zu warnen.
Wie Paulus sagt: „Da wir nun den Schrecken des Herrn kennen, so überreden wir die Menschen … Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2. Kor 5:11.20). Lasst uns überlegen, wie wir das in unserem Umfeld oder mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln noch tun können!
Und drittens sollten wir unseren Glaubensgeschwistern keine schlechten Motive unterstellen. Wir sollen nicht mit einem richterlichen Geist über sie urteilen, wenn keine offensichtliche Sünde vorliegt. Wir sollen die Beurteilung Gott überlassen und unseren Glaubensgeschwistern mit ungeheuchelter Bruderliebe begegnen!
Wir sind dazu aufgefordert, die Gesinnung zu zeigen, die Jesus Christus in Seinem Leben auch gezeigt hat. Lasst uns an das denken, was Paulus in 1. Korinther 16:14 schreibt: „Alles bei euch geschehe in Liebe“ (1. Kor 16:14).
Der Herr kommt bald! Dann werden wir alle, jeder ganz persönlich, vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Lasst uns mehr daran denken. Und lasst uns heute – an diesem Tag – so leben, dass der Herr uns dort viel Lohn geben kann!
Wir werden die Wege Gottes verstehen
„Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin.“
(1. Korinther 13:12b)
Jetzt kommen wir zu einem sehr ermutigenden Punkt, auf den wir uns beim Richterstuhl freuen können: Wir werden dort endlich Gottes Wege mit uns verstehen. Der Herr sagte mal zu Petrus: „Was ich tue, weißt du jetzt nicht, du wirst es aber nachher verstehen“ (Joh 13:7). Und das trifft heute auch auf viele Situation in unserem Leben zu!
Jetzt verstehen wir vieles nicht und haben keine Antworten auf einige Warum-Fragen. Warum das Leid? Warum diese Enttäuschung oder dieser Verlust? Warum hat der Herr mich so geführt und nicht anders? Das sind alles Fragen, die am Richterstuhl beantwortet werden.
Wir werden erkennen, dass Gottes Handeln und die Art und Weise, wie Er uns erzogen hat, vollkommen weise und gut waren. Immer – zu jeder Zeit! Wir werden sehen, wie Er denen, die Ihn lieben, wirklich alle Dinge zum Guten mitwirken lässt!
Man kann es bildlich vielleicht so beschreiben: Jetzt sehen wir den Teppich unseres Leben, den Gott am weben ist, hier immer nur von unten. Da hängen kurze und lange Fäden runter, die zusammenhangslos scheinen und für uns keinen Sinn ergeben.
Aber wenn wir im Himmel am Richterstuhl sind, werden wir von oben das geniale Muster erkennen, an dem Er die ganze Zeit gearbeitet hat. Ein Muster, das am Ende ein wunderschönes Bild ergibt. Dann werden wir von ganzem Herzen „Ja, Vater“ dazu sagen. Oder wie Mose gesagt hat: „Der Fels: Vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht“ (5. Mo 32:4).
Und dann werden wir Ihn für Seine Weisheit preisen, wie Paulus das am Ende von Römer 11 tut: „O Tiefe des Reichtums, sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unergründlich seine Wege!“ (Röm 11:33).
Gott ist gnädig in Seiner Beurteilung
„Ist es mir nicht erlaubt, mit dem Meinen zu tun, was ich will? Oder blickt dein Auge böse, weil ich gütig bin?“ (Matthäus 20:15)
Wenn Gott am Richterstuhl unser Leben beurteilt, werden wir Lohn bekommen. Was mich dabei sehr ermutigt hat ist, dass Gott in Seiner Beurteilung unfassbar gnädig ist. Dazu mal drei Beispiele:
Die Jünger haben oft versagt. Sie waren ungläubig, egoistisch und sind schließlich in der entscheidenden Stunde alle weggelaufen. Viele hätten wahrscheinlich ein vernichtendes Urteil über sie gesprochen.
Aber der Herr sagt ihnen kurz vor Seinem Tod: „Ihr aber seid es, die mit Mir ausgeharrt haben in meinen Versuchungen“ (Lk 22:28). Und dann verspricht Er ihnen sogar noch Lohn. Was für eine gnädige Beurteilung!
Oder nimm Abraham: Gott hat ihn dazu berufen, sein Land und seine Verwandtschaft zu verlassen und in das Land zu kommen, dass Er ihm zeigen würde. Wir wissen aus 1. Mose 11, dass Abraham trotzdem seinen Vater mitnahm und erst noch einen Zwischenstopp in Haran eingelegt hat.
Doch in Hebräer 11 wird einfach nur gesagt, dass Abraham, als er gerufen wurde, gehorsam war auszuziehen. Die Sache mit seinem Vater und der Zwischenstopp in Haran wird nicht erwähnt.
Oder denk mal an das ungläubige Lachen von Sara, als der HERR ankündigt, dass sie einen Sohn bekommen soll. Auch davon wird in Hebräer 11 nichts mehr erwähnt. Dort wird nur gesagt, dass sie den für treu erachtete, der die Verheißung gegeben hat.
Gott beurteilt viel gnädiger als wir es wahrscheinlich tun würden! Und wie wunderbar wird es sein, einmal die Stimme des Herrn zu hören, der sagt: „Wohl, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn“ (Mt 25,23).
Übrigens steht die Belohnung am Richterstuhl, neben den Kronen, die wir dort bekommen, auch in Verbindung mit der Verwaltung des 1000-jährigen Reiches. Der Herr spricht in Gleichnissen von der Regierungsgewalt über verschiedene Städte etc.
Die Aufgaben, die wir dort bekommen, hängen von unserer aktuellen Treue ab. Aber es ist auch wichtig, dass wir treu bleiben, damit wir keinen Lohn verlieren. Deshalb sagt der Herr mal: „Halte fest, was du hast, auf dass niemand deine Krone nehme“ (Off 3:11).
Herkunft: juengerschaft.org





